Texte zum Inhalt - www.koerper-psycho-dynamik.de, Dorothea Mathews, Stuttgart-Sillenbuch

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Einleitung

Diese, speziell für die ganzheitlich arbeitenden HeilpraktikerInnen konzipierte Ausbildung umfasst neben dem  allgemeinen Grundlagenwissen der humanistisch- und tiefenpsychologisch fundierten Psychologie eine umfassende Schulung in inte-grativen Methoden:  der Gesprächspsychotherapie, der Körperpsychotherapie und dem lösungsorientierten Ansatz ( Systemische Familientherapie).

Körper und Psyche werden von uns als eine organismische Einheit gesehen, die funktional untrennbar miteinander verbunden ist und sich in fortwährender Interdependenz miteinander und mit den physikalischen, chemischen, energetischen, gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen, psychischen und spirituellen Qualitäten der Umgebung befinden. Der individuelle Ausdruck und die Struktur der Körper-Psyche spiegeln in vielfältiger Weise die Geschichte des Individuums und seine Reaktion auf die Umweltanforderungen wieder.
Die Entstehung körperlicher und seelischer Pathologie wird im ganzheitlichen Sinne als adaptive Antwort auf schädigende Faktoren gesehen. Besondere Wichtigkeit wird von uns auf die selbstregulativen Faktoren des Organismus gelegt. Im Prinzip der Selbstregulation spiegelt sich das organismische Grundgesetz der Erhaltung und positiven Bejahung des Lebens wieder.

Mit dieser Ausbildung möchten wir zu einer uns dringlich erscheinenden Entwicklung in der Naturheilkunde beitragen, nämlich der Förderung eines ganzheitlichen Be-handlungsstils, der Behandlung  von Körper-Seele-Geist . Wir grenzen uns damit von der uns seelenlosen und mechanisierten  Medizin ab, die Symptome behandelt aber keinen falls Ursachenforschung betreibt und die die organismische Einheit in ihrem Behandlungskonzept meist völlig leugnet.

Nachfolgend werden die Hauptelemente unser Arbeit in ihren wesentlichen Inhalten kurz beschrieben:

Die Tiefenpsychologie

Sigmund Freud (1856-1939) ist der Begründer der Tiefenpsychologie. Er arbeitete sein ganzes Leben lang an der Ausarbeitung und Weiterentwicklung der Psycho-analyse. Seine wichtigste Aufgabe war, ein neues Modell der menschlichen Psyche zu erstellen. Die Tiefenpsychologie ist eine theoretische und therapeutische Schulrichtung, die als gemeinsames Merkmal die Anerkennung der tragenden Bedeutung unbewusster Antriebe oder Leistungen hat. Dabei wurden aber unterschiedliche Persönlichkeitsmodelle entwickelt. Die ursprüngliche Form der Psychoanalyse von Freud bezieht sich auf drei Schichten der Persönlichkeit: Es, Ich und Über-Ich. Das Ich steht unter Druck des Es (Triebanspruch des Lustprinzips) und des Über-Ich (Realitätsprinzip), die das Ich mit Hilfe der Abwehrmechanismen abzuwehren versucht.

Das Unbewusste:

Nach Freud verarbeitet der Mensch unangenehme Erlebnisse dadurch, dass er versucht sie zu vergessen bzw. indem er sie verdrängt. Die zentrale Form der Abwehr unangenehmer und belastender Erfahrungen ist die Verdrängung. Das bedeutet, dass das Erlebnis in das Unbewusste abgedrängt wird und sich dort als unerkannter Komplex fixiert. Es gibt auch belastende Erlebnisse, bei denen das nicht gelingt und die aktiv verdrängt werden müssen, z.B. indem man ihre Bedeutung umdeutet. "Das Unbewusste "verkleidet", wie FREUD in seinen Traumforschungen gesehen hat, die Erlebnisse durch Veränderung, Verschiebung, Dramatisierung, Symbolisierung. Der Traum ist nach ihm eine "verkappte Wunscherfüllung". In seinen Traumdeutungen versucht der Analytiker gleichsam, die Sprache des Unbewussten im Traum verstehen zu lernen, indem er bemüht ist, "hinter dem manifesten Trauminhalt die latenten Traumgedanken zu entziffern" (Benesch, 1994, S. 375).

Nicht nur im Traum, sondern auch bei Tagträumen und auch im Wachbewusstsein sind viele unbewusste Mechanismen am Werke. Diese unbekannten Gefilde der Psyche kennen zulernen ist das erklärte Ziel der Psychoanalyse. Im Sinne von Freud versteht die psychoanalytische Theorie psychische Störungen als das Ergebnis unangepasster psychologischer Prozesse. Eine Kombination aus biologischer Anlage und Wechselbeziehungen mit der Umwelt schaffen Bedingungen, unter denen Kinder ein Selbstkonzept entwickeln, in dem sie Gefühle wie Schuld, Angst, Furcht, Unzulänglichkeit usw. verinnerlichen.

Wichtige Modelle der Psychoanalyse sind:

a) Das Instanzenmodell der Persönlichkeit :

Freud teilt die menschliche Psyche in verschiedene Teile ein, die alle unterschied-liche Aufgaben wahrnehmen. Die Hauptbestandteile dieses sogenannten psychisch-en Apparates bezeichnete er als das ICH, das ÜBER-ICH und das ES. Das Es ist der Triebpol der Persönlichkeit. Seine Inhalte sind unbewusst und zu einem Teil vererbt und angeboren und zu einem anderen Teil erworben und verdrängt. Der Bereich des Es  ist dem Unbewussten zuzuordnen. Von ihm gehen Wünsche, Begierden und Triebansprüche aus, die darauf drängen ausgelebt zu werden. Für Freud ist es das Hauptreservoir psychischer Energie. Es lässt sich in Konflikt mit dem Ich und dem Über-Ich ein.

Aus dem Es entwickelt sich das Ich. Es entsteht aus der Notwendigkeit, zwischen den Tendenzen des Es nach Verwirklichung und den tatsächlichen Möglichkeiten, diese zu verwirklichen, zu vermitteln. Das Ich muss einen Gleichgewichtszustand herstellen. Es muss dafür sorgen, dass die Ansprüche aus dem Es, aus dem Über-Ich und aus der Realität in Übereinstimmung gebracht werden. Es ist abhängig von den Ansprüchen des Es, von den Befehlen des Über-Ich und von den Forderungen der Realität. Es ist ein Mittler der Interessen der ganzen Person.

Bei dieser Regulation des Ich kommen spezifische Mechanismen zum Tragen, die sich in der psychoanalytischen Theorie Abwehrmechanismen nennen. In einem neurotischen Konflikt stellt das Ich den Abwehrpol der Persönlichkeit dar. Es ver-wendet eine Reihe von Abwehrmechanismen, die einsetzen, wenn ein Gefühl wahr-genommen wird, das Unlust erzeugen könnte. Das Ich erfasst und beeinflusst also Reize, um Unlust zu vermeiden und Lust zu ermöglichen. Seine Abwehroperationen sind zum größten Teil unbewusst. Den Bedürfnissen und Tendenzen des Es zu folgen nannte Freud das Lustprinzip, wohingegen das Ich das Realitätsprinzip ver-körpert.

Der weitere Bereich ist das Über-Ich. Er ist die moralische Instanz, die über das Ich wacht, es leitet und sich ihm entgegenstellt. Seine Rolle ist vergleichbar mit der eines Richters oder Zensors des Ichs. Funktionen des Über-Ichs sind nach Freud die des Gewissens, die Selbstbeobachtung und die Idealbildung. Das Über-Ich bildet die Verinnerlichung der elterlichen Forderungen und Verbote.

Die Einzelheiten der Beziehung zwischen Ich und Über-Ich kann man auf das Verhältnis des Kindes zu seinen Eltern zurückführen.

b) Das Triebmodell und das Phasenmodell der Triebentwicklung

Die Bedürfnisse des Es erzeugen Spannung (Bedürfnisspannung), die Freud die Triebe nennt. Er unterscheidet grundsätzlich den Selbsterhaltungs- und den Todes-trieb. Während der Selbsterhaltungstrieb das Überleben zu sichern sucht, zielt der Todestrieb auf Auflösung und Zerstörung. Aus der Mischung der beiden, ergeben sich die verschiedenen Triebe, die das menschliche Leben bestimmen.

Die Energie, die hinter dem Überlebenstrieb steht, nannte Freud die Libido. Die Libi-do ist eine Quelle der körperlichen Erregung, und es entsteht sogenannte Spann-ungsenergie. Ziel ist es, diese Spannungsenergie abzuführen.

Die therapeutische Methode besteht hauptsächlich daraus, dass die unbewusste Deutung von Reden, Handlungen, imaginären Bildern ,Träume, Phantasien, Wahn-vorstellungen  der zu behandelnden Person in das Zentrum der Therapie rückt. Basis für dieses Vorgehen ist das freie Assoziieren der Patienten, z.B. der/ die PatientIn erzählt das Traumgeschehen - den sogenannten manifesten Trauminhalt - und berichtet dann seine/ ihre zum Inhalt gehörenden Assoziationen, die schließlich zu dem wahren Inhalt - den latenten Traumgedanken - des Traumes führen sollen, der hinter dem offenen Traumgeschehen verborgen ist. Das freie Assoziieren des Patienten ist der Garant für die Gültigkeit der Deutung. Die psychoanalytische Deutung kann sich aber auch auf Dinge menschlichen Erlebens und Verhaltens erstrecken, für die man nicht über freie Assoziationen verfügt. sind sogenannte Diese Therapie gilt auch als Gesprächs-Kur, in denen das Unbewusste bewusst gemacht werden soll und ist gekennzeichnet von der kontrollierten Deutung des Widerstandes, und der Übertragung . In der sogenannten Übertragung installiert der Patient oder die Patientin in der therapeutischen Beziehung die wesentlichsten Merkmale der frühen Beziehungsstrukturen zu den Primärpersonen und löst damit eine Gegenübertragung nämlich das entsprechende Elterngefühl im Therapeuten oder der Therapeutin aus. Dies wird im Prozessgeschehen bewusstgemacht und die Konsequenzen, die diese Erfahrungen im Lebensverlauf hatten, aufgearbeitet.

Tiefenpsychologische Schulen:

  • Die Individualpsychologie A. Adlers besagt, dass das Kind sich in einer grundsätz-lichen Unterlegenheit gegenüber seiner Umwelt befindet. Dieses Gefühl der Unter-legenheit versucht das Kind durch Machtstreben auszugleichen. Es entwickelt dabei unbewusste Lebensleitlinien, die auch als fixierte Arrangements (Fehlkompensation) zu psychischen Störungen führen können.


  • Die Logotherapie und die Existenzanalyse V.E. Frankls sehen das Unbewusste nicht im Es, dem kollektiven Kern oder dem unbewussten Handeln, sondern im unbewussten Geistigen der Sinnfindung.


  • In der Selbstpsychologie H. Kohuts erscheint es als unbewusster Narzissmus.


  • Die komplexe oder auch analytische Psychoanalyse C.G. Jungs geht von einem Schalenmodell aus. Im Innersten liegt das kollektive Unbewusste, als nie bewusst werdender Kern. Es ist die Repräsentanz überindividueller Symbolbilder und steuert die Reaktionen der Menschen unbewusst.

Die Gesprächspsychtherapie:  Der Personzentrierte Ansatz

Der Personzentrierte Ansatz ,der zur Humanistischen Psychologie zählt, wurde von dem amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers (1902–1987) aus seiner psycho-therapeutischen und pädagogischen Arbeit mit Erwachsenen und Kindern entwickelt: Im Mittelpunkt von Psychotherapie und Beratung steht die Person – nicht das Pro-blem. Menschen erfahren und lernen in Psychotherapie oder Beratung, ihre verborg-enen Fähigkeiten zu entwickeln und eigenständig Lösungen für ihre Probleme zu fin-den. Auf der Grundlage des Personzentrierten Ansatzes entstanden mittlerweile national und international verbreitete Psychotherapie- und Beratungsmethoden. Grundlagen der Methode von Carl R. Rogers sind systematische Beobachtungen und Erkenntnisse aus professionellen Beziehungen in Psychotherapie und Beratung, die sich als hilfreich erwiesen haben. Entscheidend dafür sind drei sogenannte "Variablen":

Die Therapeutin / der Therapeut bzw. die Beraterin / der Berater begegnen der Klientin / dem Klienten

  • mit positiver Wertschätzung und Achtung

  • vorurteilsfrei und versteht ihn aus dessen Lebenszusammenhängen

  • ohne Fassade und Experten-Attitüde. Die Therapeutin / der Therapeut ist der Klientin / dem Klienten als konkrete Person erfahrbar.


Eine so gestaltete Beziehung ermöglicht es der Klientin / dem Klienten, sich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren. Die "Kraft der Beziehung" (Rogers) hat zentrale Bedeutung. Das Entstehen einer förderlichen Beziehung ist für den Erfolg psychotherapeutischer Arbeit und Beratung entscheidend. Es schafft die Grund-lagen, dass Menschen Wachstumskräfte entfalten und Probleme (Symptome) besser bewältigen können. Rogers gilt als Pionier der wissenschaftlichen Psychotherapie-forschung. Zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konnte er seine Erfahrungen durch zielgerichtete Untersuchungen wissenschaftlich bestätigen. Rogers entwickelte in den vierziger Jahren seine Theorie zu der "Client Centered Therapy and Counseling", einem effektiven und kostengünstigen Therapie- und Beratungsverfahren. Der Hamburger Psychologe Reinhard Tausch führte das Verfahren als "Gesprächspsychotherapie" in der BRD ein. Die Gesprächspsycho-therapie zählt mit der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie zu den klassischen Psychotherapieverfahren. Sie ist besonders umfassend beforscht und dadurch als wirksames psychotherapeutisches Verfahren ausgewiesen.

Über das Therapiekonzept hinaus haben die Gedanken und Konzepte von Rogers grundsätzliche Bedeutung für alle zwischenmenschlichen Beziehungen. Entsprechend fanden seine Ideen und Erkenntnisse Eingang in die beratende und in die pädagogische Arbeit. Der Personzentrierte Ansatz bildet eine Grundlage für alle psychosozialen Tätigkeitsfelder Ganz generell hat der Personzentrierte Ansatz eine klare Forderungen, wie zwischenmenschliche Beziehungen gestaltet werden sollten,  und eine umfassende kulturelle und politische Botschaft.


Die Körperpsychotherapie:

Die Biodynamische Körper-Psychotherapie

Die biodynamische Körper-Psychotherapie wurde von der norwegischen Diplom Psychologin und Physiotherapeutin Gerda Boyesen gegründet und gilt als die sanfteste der Körperpsychotherapien. Es handelt sich um ein wissenschaftlich anerkanntes, nicht provozierendes, tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren, das einen Zugang zu tieferen Schichten der Persönlichkeit, insbesondere zu frühen Verletzungen aus der vorsprachlichen Entwicklungszeit über den direkten Körperkontakt ermöglicht. Dabei besteht eine akzeptierende Grundeinstellung zu Widerständen, die als schützend gedeutet werden. Wie sonst üblich in einer tiefenpsychologisch fundierten Therapie, werden aktuelle Konflikte, Träume, freie Einfälle, begleitend besprochen.

Die Biodynamische Psychotherapie ist die älteste der Körperpsychotherapien in Europa und hat gemeinsam mit der von Alexander Lowen und John Pierrakos, in den USA entwickelten Bioenergetischen Analyse die Arbeit Wilhelm Reichs, insbesonde-re seine Vegeto- und Orgontherapie weitergeführt und viele der heutigen körperori-entierten Ansätze der Psychotherapie maßgebend beeinflusst. Ebenfalls basiert die-se Verfahren auf den frühen Libidotheorien Freuds, der Arbeit C.G.Jung  und den Erkenntnissen die Gerda Boyesen aus der dynamischen Physiotherapie der Norweg-erin Adele Bülow-Hansen bezog.

Biodynamik heißt übersetzt: „die Bewegung des Lebens“. Dies bezieht sich auf den natürlich, spontanen Fluss der Lebensenergie, die uns bewegt, beseelt und lebendig macht. Das grundlegende Ziel der biodynamische Körper-Psychotherapie ist die Wiederherstellung der natürlichen Zirkulation dieser Lebensenergie, Libidozirkulation genannt, hauptsächlich durch:

  • die Befreiung des spontanen Atems aus dem Schreckreflexmuster

  • die Vollendung unterbrochener emotional – neurovegetativer Zyklen und deren tiefenpsychologischer Aufarbeitung

  • die Wiederherstellung des  gesunden Muskeltonus

  • die Wiederherstellung der gesunden Körperhaltung

  • die Wiederherstellung der organischen Selbstregulation durch Stimulierung der neurovegetativen Verdauung mittels der Psycho- Persistaltik.



Historischer Hintergrund und Entwicklung:

Anfang der 50 er Jahre, im Rahmen ihres Psychologiestudiums, unterzog sich Gerda Boyesen einer Psychoanalyse bei Olaf Raknes, einem direkten Schüler von Wilhelm Reich. Im Anschluss an das Studium der Psychologie machte Gerda Boyesen eine Ausbildung als Physiotherapeutin bei Adele Bülow Hansen. Diese hatte in Zusam-menarbeit mit einem  Psychiater eine Methode der Massagebehandlung von psychi-atrischen Patenten entwickelt und lehrte diese an einem eigenen Institut in Oslo.

Frau Bülow- Hansen hatte beobachtet, dass Ängste und andere Gefühle, auch Erin-nerungen durch Massage aktiviert werden konnten. So kam  sie unabhängig von Reich zu Einsicht, dass Gefühle durch Muskelkontraktionen und Zwerchfellspannung verdrängt werden können . Das grundlegende Konzept hierzu ist das des Schreck-reflexes, der organischen Alarmreaktion des Menschen auf existentielle Bedrohung.

Somit hat die Biodynamische  Psychologie und Psychotherapie Therapie zwei wichtige Wurzeln: zum einen die Tiefenpsychologie Freuds, Reich und Jungs, zum andern die Theorie des Schreckreflexes.


Die Entdeckung der Psycho-Peristaltik

In ihrer klinischen Arbeit entdeckte Frau Boyesen einen wichtigen Schlüssel der organi-schen Selbstregulation im Verdauungstrakt. Die Arbeit an der verspannten Muskulatur ging oft mit peristaltischen Darmgeräuschen einher. Auch bei der psychologischen Bearbeitung emotionaler Konflikte waren verstärkt peristaltische Geräusche hörbar. Sie begann diese „emotionalen Verdauungsgeräusche“ systematisch zu studieren und entwickelte in den folgenden Jahren die für die  Naturheilkunde so wichtige Erkenntnis, dass mittels der spontanen Eigenbewegung der mit Flüssigkeit gefüllter Darmwände, die als Peristaltik bezeichnet wird, nicht nur Nahrung, sondern auch nervöse Spannungen und deren hormonelle Restbestände  im Verdauungstrakt verdaut werden.

Diese Verdauungsfunktion, Gerda Boyesen nannte sie  Psycho- Peristaltik, lässt sich durch Berührung, Massage und Entspannung anregen. Die Geräusche sind zwar oft mit dem bloßen Ohr hörbar, die Verwendung eines Stethoskops, auf den Bauchraum der Klienten gelegt, ermöglichte aber eine sehr gezieltere Diagnostik und Behandlung. Diese Erkenntnisse über die Verbindung des Verdauungstrakts mit der Psyche wurden  durch die neusten Forschungsergebnisse über das Enterische Nervensystem belegt. So entwickelte Gerda Boysen auf den Grundlagen der Tiefenpsychologie, der Stresstheorie und der Psycho- Peristaltischer Verdauung die Biodynamische Psychotherapie. Sie entwickelte eine Vielzahl von Massagemethoden um mittels der Psycho-Peristaltik die in der verspannten Muskulatur gehaltene Lebensenergie freizusetzen und die natürliche Körperhaltung wiederherzustellen.

Sie entwickelte die Reichianische Vegetotherapie auf  biodynamischen Weise weiter um die durch die tiefe Körperarbeit freiwerdenden verdrängten Gefühle und Erinnerungen ihrer Klientinnen und Klienten zu bearbeiten. Sie entwickelte ein eigenes Neurosenmodell, dass nicht auf den Charakterdefiziten der Reichianischen Schule fußt, sondern auf der energetischen Durchlässigkeit verschiedener Persönlichkeitstypen und emotionalen Basisqualitäten

Grundlagen der Biodynamischen Körpertherapie:


Das Stress- Reaktionsmuster ist ein biologisch angelegtes Verteidigungsprogramm, ursprünglich  lebenserhalten durch einen reflexhaft, organischen Angriffs- und Flucht Mechanismus. Wenn Gefahr droht, kommt es zu einer immensen Kraftentfaltung im Körper, deren Grundlage ein nerval und hormoneller gesteuerter Reiz-Reaktions-Zyklus ist:

Das vegetative Nervensystem arbeitet auf höchster Stufe. Alle Muskeln sind ange-spannt, um uns optimal für Flucht oder Angriff zu befähigen. Hat der Mensch die Situation bewältigt, kann er sich erholen. Im Traum erlebt er höchst-wahrscheinlich diese bedrohliche Situation nochmals um sie endgültig neurovegetativ zu verdauen.


Der Ablauf einer Stressreaktion im Körper, wie wir sie täglich viele Male erleben, ist sehr komplex, Viele Psychosomatische Krankheitsbilder lassen sich in ihrem organischen Ursprung bereits hier erkennen.

Chemostase und Gewebspanzer:

Auf eine emotionale Anspannung reagiert der Körper mit Erhöhung des Blutdrucks und dem Ausstoß von Stresshormonen, mit einer sogenannten emotionalen Blutzirkulation.

Wir alle kennen den Augenblick, wo  die Zornesröte oder die Schamesröte in uns aufsteigt. So entsteht, entsprechend der Stärke der Emotion ein Flüssigkeitsdruck im Gewebe (Schwellungsdruck)  Dieser Schwellungsdruck baut sich bei Entspannung wieder ab und auch die hormonellen Restprodukte werden durch die Psychoperistaltische Tätigkeit beseitigt. - Die Hömöostase ist hergestellt.


Wird dies jedoch durch Angstspannung nach der emotionalen Erregung verhindert, bleibt ein  Flüssigkeitsdruck im Gewebe bestehen. Diesen Zustand bezeichnet G. Boyesen als Chemostase. Die physiologische Komponente die Freuds „Restaffekt“ zu Grunde liegt.

Der unterbrochene Ablauf des Reiz-Reaktions-Zyklus bewirkt, das der Körper die sogenannten Schreckreflexreste in Form von biochemischen, hormonellen Schlak-kenstoffen in Muskeln und Gewebewänden ablagert. Es entsteht eine chronische Membrankontraktion, die die natürliche Zirkulation von Körperflüssigkeiten behindert. Ebenfalls bleiben die geschwollenen Membrane energetisch mit der emotionalen Affekte geladen. Häufen sich die unterbrochenen Zyklen, so werden die beschrieb-enen Änderungen chronifiziert. Gewebe und Muskulatur verschlacken immer mehr .

Zwar verringert sich nach und nach der Druck im Gewebe. Die hormonellen Reste jedoch lagern sich zusammen mit den Stoffwechselprodukten im Gewebe an, ver-festigen es und verändern dadurch seine Struktur (Transudationsdruck). Häufig erscheint das Gewebe dann grau und leblos, da der Austausch von Blut und Lymphe reduziert ist.  Dies beeinflusst alle Gewebe im Organismus und kann an der Ge-sichtshaut an verschiedenen Graden von Ödemen beobachtet werden.

Der Aufbau des Muskelpanzers

Primär und Sekundär Persönlichkeit:

Im Laufe der frühkindlichen Entwicklung dringen die Frustrationen von Eltern und Umwelt  in  den gesunden Organismus ein und führen zu Kontraktion. Innere Impulse müssen gestoppt werden. Das Ich erzeugt Strategien, die dem Überleben dienen auf Kosten spontaner organischer Lebendigkeit. Der sehr verletzliche Primäre Kern des Kindes schützt sich immer mehr durch den Aufbau einer äußeren Schale vor Verletz-ung, die wir Sekundäre Persönlichkeit nennen. Abwehrformen wie Verdrängung, Spaltung, Leugnung, Verkehrung, Identifizierung, Idealisierung, Entwertung, bilden das Potential des sich formierenden Über-Ichs, der innerpsychischen Instanz, die darüber richtet, ob wir uns falsch oder richtig verhalten. Grundlagen dazu, bilden die verinnerlichten Ge- und Verbote der Eltern und der Umwelt. Wir können also davon ausgehen, dass jeder Mensch seine ureigene Abwehrstrategie entwickelt hat und diese im Laufe des Lebens individuell „verkörpert“ wurde.

Die spontan, primäre Lebensenergie wird im Prozess des Muskelpanzer-Aufbaus, der tendenziellen Verhärtung der Muskulatur und des Gewebes, immer mehr eingefroren und eingekapselt. Nie aber geht die primäre Lebenskraft mit ihren Impulsen zum Selbstausdruck und zur Erfüllung ihrer wahren Natur wirklich ganz verloren.

In der Biodynamischen Körper-Psychotherapie werden die Klienten ermutigt, die primären Impulse wieder zu erwecken und die Wiederaneignung ihres „wahren primäres Selbst“ auf so vielen verschiedenen Funktionsebenen zu beleben, als möglich. Die Wiederbelebung der primären Lebenskraft, wird auf der Körperebene mit Lockerung der verhärteten Muskulatur durch gezielte Massage und Körperübungen unterstützt. Biodynamische Körper-Psychotherapie bedeutet auch, Lebensfreude wiederzuentdecken.

Widerstände der Patientin oder des Patienten werden akzeptiert und als schützend gedeutet. Die Schnelligkeit des therapeutischen Prozesses wird ausschließlich von den Patienten bestimmt. Zu bearbeitende Lebensthemen steigen aus dem Körper auf und werden nicht intellektuell bestimmt.

Wie der Bauch den Kopf bestimmt:

Die Erforschung des Enterischen Nervensystems:

Das Zusammenspiel zwischen Psyche und Darm mit dem die Biodynamik schon seit über 30 Jahren erfolgreich arbeitet, war in den letzten Jahren Brennpunkt intensiver wissenschaftlicher Forschung des Fachbereichs Neurogastroenterologie. Die For-schung bestätigt, dass es im Verdauungstrakt mehr als 100 Millionen Nervenzellen gibt, mehr Neuronen als im gesamten Rückenmark zu finden sind. Dieses „ zweite Gehirn“, so haben die Neurowissenschaftler herausgefunden, ist quasi ein Abbild des Kopfhirns, - Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind exakt gleich.

Der Darm erledigt noch viel mehr als die an sich schon hochkomplexe Verdauungs-arbeit. Er ist das größte Immunorgan im Körper, in dem mehr als 70 % unserer Ab-wehrzellen sitzen und greift mittels der Produktion von psychoaktive Substanzen wie Serotonin, Dophamin, Opiaten, Benzodiazepin und 35 anderer Nervenbotenstoffe  in unser Gefühlsleben ein.  Es kann die Daten seiner Sensoren selbst regenerieren und verarbeiten, kontrolliert einen Set von Reaktionen, gibt den Nachbarorganen Anweis-ungen, koordinierte die Infektabwehr, die vegetative Muskelbewegung und kann gespeicherte Informationen abrufen. Es ist funktionell organisiert und arbeitet in Kreisläufen- kurzum, das Darmhirn denkt.

Serotonin spielt bei der Anregung des Peristaltischen Reflexes eine wichtige Rolle. Unabhängig vom Gehirn koordiniert das ENS die wellenförmigen Bewegungen des Darmes dadurch, dass Neuronen in der Darmwand „fühlen“, wo der Darm auf Grund von Darminhalt gedehnt wird. Enterochromaffin –Zellen schütten daraufhin den Botenstoff Serotonin aus, der Nervenzellen im submucosalen Plexus des Darmhirns anregt. Diese senden Signale an Muskelzellen, die den Darm weiten oder zusammen ziehen.

Biodynamische Behandlungskonzept

Der gesunde Organismus: Ströme

Der gesunde Organismus ist immer pulsatorisch, wie die Grundbewegung in der Zelle: Expansion – Kontraktion.

Durch Geburt drückt der Organismus das Recht auf Leben und Existenz aus.

Durch den Kontakt, der Bindung mit der Welt, baut sich die Lebensstruktur auf, festigt

sich die Eigenständigkeit um sich später durch Liebe und Sexualität wieder zu reproduzieren.

Ein gesundes Lebewesen hat eine gute Verbindung beider Hirnhälften, emotionale und rationale Anteile sind gut vernetzt. Es besteht ein gutes Potential von innerer Sicherheit, Zufriedenheit und Neugierde. Liebe kann ebenso wie Abgrenzung und Wut gespürt und ausgedrückt werden. Die Fähigkeiten Nähe einzugehen (Symbiose) sowie eigenständig zu sein ( Separation) sind gut entwickelt. Es kann seine Bedürfnisse spüren und sich dafür einsetzen, notfalls auch dafür kämpfen. Ebenso besteht die Möglichkeit schwierige Situationen auszuhalten und sich dabei von der Inneren Welt (Emotionen) abzugrenzen.

Die  erwähnten energetisch-psychischen Qualitäten, hat die Biodynamische Typologie In folgende Konzepte gebracht: Ein gesundes Lebewesen verfügt über die folgenden Eigenschaften:

Sonnenschein:
Die Person ist energetisch gut entwickelt und durchlässig für die primäre Libidoenergie. Der Mensch strahlt Lebensenergie/ Herzensenergie aus und diese strahlt durch alle Poren

Krieger:
Die Person ist in der Lage ihre Bedürfnisse zu spüren, dafür einzustehen und notfalls dafür  zu kämpfen.

Stein:
Die Person ist in der Lage schwierige Situationen wie ein Fels in der Brandung auszuhalten und sich dabei vor Überflutung innerer Gefühle zu schützen.

Die Biodynamische Massagetherapie:

Psycho-Posturale-Synthese ( Deep- Draining).

Das zentrale Kernstück der Biodynamischen Massagetherapie bildet die Psycho-Posturale-Synthese
(Deep- Draining). Auf allen Schichten des Körpers, Knochen, Muskel, Bindegewebe, Haut und Aura wird der Körper systematisch durchgearbeitet und durch die Anregung der Psycho-Peristaltischen Verdauung von biochemischen Schlackenstoffen des „ Rest Affekts“, gereinigt. Deep -Draining übersetzt meint:

„Tiefer Abfluss“. Bezeichnet wird damit der Abfluss, der durch die emotionale Blutzirkulation bedingten, im Gewebs-Muskel und Eingeweidepanzer gehaltenen  Flüssigkeitsreste und Schlackenstoffen. Ziel der Behandlung ist es, die verkörperte Neurose aus dem Organismus herauszuarbeiten. Das alte Schreckreflex Muster kann auf diese Weise aufgelöst, die Atmung vertieft und der gesunde Fluss der Lebensenergie  wiederhergestellt werden. Stärker wird dadurch der Kontakt mit der ursprünglichen Lebensenergie, das Gefühl von innerem Gleichgewicht und Wohlbefinden. Die erhöhte sinnliche Wahrnehmungsfähigkeit bringt die Klientin und den Klienten wieder in Kontakt mit der Essenz des Urspungs.

Auf der Grundlage des Deep Drainings hat Gerda Boyesen eine Vielzahl von Biodynamischen Massagen entwickelt, die mit unterschiedlichen Intentionen ausgeführt werden können: vitalisierend, sedierend, harmonisierend, leerend, erdend, provozierend.


Biodynamische Psychotherapie Methoden:

Die Biodynamische Körper-Psychotherapie hat grundsätzlich eine einladende, akzeptierende, ermutigende, parasympathische Grundhaltung. Viel Wert wird auf die auf-merksame, nicht bewertende und nicht analysierende Haltung der Therapeutin oder des Therapeuten gelegt. Dies ist wichtig, damit die Klienten ihren eigenen primären Wesenskern wiederentdecken können und so zu ihrer natürlichen Selbstregulation, verbunden mit dem Grundgefühl des unabhängigen Wohlbefindens, zurückfinden. Sie bietet eine Vielzahl von tiefenpsychologisch fundierten Methoden. Mittelpunkt hiervon ist die Weiterentwicklung der von Reich stammenden Vegetotherapie. Durch eine tranceinduzierende Einleitung wird die liegende Klientin oder der Klient in Tiefenentspannung geleitet, die innere Aufmerksamkeit auf innere Impulse wie Druck, Schmerz, oder Körpersensationen zu lenken. Der eingekapselte, verdrängte, primäre Impuls kann so wieder in das Bewusstsein gelangen und durch emotionale Bearbeitung, integrierenden Gesprächen, freien Assoziationen, Traumarbeit, Körperübungen oder geleiteten Bildern, bearbeitet werden.


Die Bioenergetische Analyse ( Bioenergetik )

Die bioenergetische Analyse leitet ihre Herkunft aus der Tiefenpsychologie Freuds sowie der Reich'schen charakteranalytischen Vegetotherapie ab - ihre Wurzeln liegen also in Europa. Besonders radikal ging Wilhelm Reich (*1897) bei seinen Versuchen vor, die (bisher im wesentlichen Freudsche) Analyse zu erweitern. Sein Hauptinteresse bewegt sich um die Bereiche Libido - Ökonomie - Energie, ein wesentlicher Anteil an der Faszination, die Reichs Werk ausübt, basiert auch auf seiner intensiven Beschäftigung mit dem bis dahin von der psychoanalytischen Forschung eher vernachlässigten psychologischen Spannungsfeld Person (die als körperliche Person verstanden werden sollte) - Familie - Gesellschaft. Schließlich entwickelte Reich eine neue Technik, die er Vegetotherapie nannte. Eine zentrale Stellung nimmt hierbei das Konzept des Energieflusses ein - vegetative Energie kann im gesunden Organismus frei strömen, das pathologische Zustandsbild zeichnet sich dagegen durch gebundene Energie in verspannter Muskulatur aus "Muskelpanzer" –  Die eigentliche Methode der Bioenergetischen Analyse wurde jedoch von Alexander Lowen (*1910), einem Schüler Reichs entwickelt. Lowen wurde im Zuge seiner Analyse bei Reich von den Möglichkeiten des körperorientierten Ansatzes in der Therapie überzeugt und gründete 1956 gemeinsam mit John Pierrakos (dem später-en Entwickler der sog. "Core-Energetik") und Bill Walling das Institut für Bioener-getische Analyse in New York sowie eine Arbeitsgemeinschaft, die zur Basis für Aus-bildung und Entwicklung der bioenergetischen Analyse wurde.

Psychopathologie und Therapieziele

In der bioenergetischen Analyse werden 5 Charakterstrukturen unterschieden: die schizoide, orale, masochistische, psychopathische und rigide. Jede dieser Strukturen - deren einzelne Abhandlung hier zu weit führen würde - entwickelt sich während einer zeitlich einschränkbaren kindlichen Entwicklungsphase, die sich durch spezi-fische Grundbedürfnisse auszeichnet. Werden diese nicht erfüllt, kommt es zu einer dann typischen "Störung" (also der Verfestigung einer auf die Umgebungsbedingung-en abgestimmten Reaktion), die es dem Kind jedoch ermöglichen soll, in dieser Situation zu überleben. Der pathologische Aspekt liegt hierbei in der Einengung und damit Fixierung der eigenen Reaktionsmöglichkeiten auf diese speziellen Verhaltens-muster. Es versteht sich, dass diese Aufteilung eine künstliche ist - jede Persönlich-keit birgt demnach verschieden hoch ausgeprägte Anteile der o.a. Charakterstruk-turen. Ziel ist es, das Ich des Patienten mit seinem Charakter und damit nicht selten auch seinen Bezugspersonen zu versöhnen. Über das Erfahren der in der Muskel-Charakterstruktur festgehaltenen Emotionen und deren Aufarbeitung in Verbindung mit der Analyse (Deutung von Übertragung und Widerstand) sowie der Integration des Erfahrenen in die Realität des Hier und Jetzt durch das Grounding können die eigene Gesamtpersönlichkeit wieder als sinnvoll, die körperliche Existenz als lustvoll erfahren werden.


Persönlichkeitsmodell / Menschenbild

Der Person werden als eigenständige Strukturen das Ich (mit Über-Ich und Ich-Ideal) sowie der Charakter zugeordnet. Dem Es wird die körperliche Basis dieser Struktur-en gleichgesetzt - aus ihm entwickelt sich das Realitätsprinzip. Der Körper drückt die Lebensprozesse aus und stellt - ist die Integrität des Organismus nicht in Frage ge-stellt - auch ein Ausdrucks- und Empfindungsmedium für Lust dar. Im anderen Fall (z.B. bei neurotischen Störungen mit den typischen, z.T. schweren muskulären Ver-spannungen) kann Lust nur sekundär oder gar nicht empfunden werden, da Erreg-ungszustände nicht ausreichend gehalten bzw. gesteigert werden können. Damit ver-bunden sind oft auch Atemstörungen feststellbar, sind doch Atemrhythmus und –qualität sensible Indikatoren für das emotionale Gleichgewicht sowie die energet-ische Ökonomie des Organismus. Gleiches gilt für die Motilität des Körpers, die durch freie Pulsation der Bio(=Lebens-)energie ermöglicht wird: "Eine gesunde Person ist in ihren Bewegungen gut koordiniert, sie ist spontan und doch gut kontrolliert." (Lowen, Liebe und Orgasmus, S. 10).


Feeling und Panzerung

Muskuläre Verspannungen drücken neurotische Konflikte aus - hierbei wurden exakte Beziehungen zwischen Muskelspannungen und Hemmungen festgestellt, sodass man nach einem Studium der muskulären Verspannungen erkennen kann, welche Impulse oder Gefühle in einer Person gehemmt sind. Ist sich der Mensch erhöhter Muskeltoni bewusst, kann er sie also fühlen, dann ist ihm ein Mittel in die Hand gegeben, sie zu lösen oder sich mit den zugrundeliegenden Stressfaktoren auseinander zu setzen. Unter der Bedingung regelmäßig zu erwartender Wieder-holung von Anspannung jedoch (etwa im Bereich des Beckens / Beckenbodens im Zusammenhang mit rücksichtsloser Sauberkeitserziehung) strukturieren sich diese Verspannungsbereiche, die Verspannung verselbständigt sich also gewissermaßen und wird damit der bewussten Kontrolle entzogen. Reich spricht in diesem Zusamm-enhang vom Muskelpanzer als somatischer Ausdruck des Charakterpanzers (den man vereinfacht als emotionalen Panzer umschreiben könnte). Lowen sagt: "Der Körper lügt nicht."


Grounding

Um während der Sitzungen erreichte Fortschritte besser in den Alltag transferieren zu können, wurde das Konzept des Grounding entwickelt, das das Prinzip der Einheit der eigenen Person mit der Umwelt (sowohl biologisch als auch sozial) repräsentiert. Als die wichtigsten Teilbereiche für die Integration von Therapiefortschritten in die Gesamtpersönlichkeit gelten die motorischen Funktionen, die Wahrnehmungsfunk-tionen und das Ausdrucksvermögen.


Charakteranalyse

Während des Therapieverlaufs werden die hervorstechendsten Persönlichkeitsstruk-turen, aber auch der körperliche Ausdruck analysiert, wobei auch die 5 Charakter-strukturen mit ihren zugrundeliegenden Defekten und Abwehrmechanismen beachtet werden. Hierbei zeigt sich meist eine der Strukturen als dominant, gemischt mit Indikatoren anderer Strukturen

Therapeutische Praxis

Die Bioenergetische Analyse wird sowohl in der Einzel- als auch der Gruppentherap-ie angewandt. Für den Therapeuten steht besonders am Beginn der Therapie immer die genaue Beobachtung des Klienten sowie seiner selbst. Durch das sog. "Spieg-eln", einer Imitation seiner Haltung und seines Verhaltens, lässt sich das Ergebnis dieser Beobachtung noch verstärken. Die therapeutische Beziehung macht folgende Entwicklungsstadien durch: Diagnose (Körperlesen), Einlassen (Übertragen, Grounding), Durcharbeiten (Charakteranalyse und Widerstandsarbeit), Loslassen (Abschluss der Übertragungs- und Grounding- Arbeit).

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